Feb 2010 > Kooperation ist kein Rettungsanker für Schwache
23. Februar 2010
Ein Huhn trifft ein Schwein und fragt „Machen wir eine Kooperation?“. „Das ist eine gute Idee“, sagt das Schwein, „aber was wollen wir gemeinsam machen?“ „Ham and eggs“, antwortet das Huhn. „Aber dann bin ich ja tot!“ entgegnet das Schwein. Darauf das Huhn: „Das ist oft so in einer Kooperation“.
Das Gastronomiegeschäft ist hart und unsicher geworden und der Druck auf Unternehmer und Manager nimmt Jahr für Jahr zu. Viele suchen in Kooperationen nach Auswegen zur Stärkung der Marktposition des Betriebes. Aber – bin ich selbst kooperationsbereit?
Aus der intensiven Zusammenarbeit von Kohl & Partner mit mehr als zwanzig betrieblichen Kooperationsgruppen in Österreich, Deutschland und Südtirol lassen sich folgende „Stolpersteine“ und „Erfolgsbausteine“ als Erfahrungswerte herausfiltern, die jeder beachten sollte, wenn er sich zu einer Kooperation entscheidet.
3 große „Stolpersteine“
1. beim Start: Illusion statt Vision
- Der Nutzen und die Ziele werden zu wenig hinterfragt (die der Gruppe und auch die eigenen).
- Der Nutzen aus Gästesicht ist nicht klar definiert oder nicht erkennbar
- Es wird zu schnell ein Erfolg erwartet (Man lässt sich zu wenig Zeit)
…. und daraus entsteht ein buntes Bild von Erwartungen, die nicht zu erfüllen sind.
2. dann: Kein Mut zum „reinigenden Gewitter“
- Man hat sich aneinander gewöhnt, teilweise angefreundet – es tut gut, sich zu treffen.
- Die Struktur der Gruppe ändern, Kollegen ausschließen? Wandel tut weh – die Angst vor Veränderungen setzt ein.
- Man sucht – trotz Einsicht – nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner, obwohl ein „reinigendes Gewitter“ zur Wettbewerbsstärkung längst notwendig wäre.
3. und schließlich: Die Disziplin fehlt
- Die Gruppe hat keinen starken Kopf, keinen Motor.
- Neid und Misstrauen – Man glaubt, nur der „liebe Kollege“ profitiert von der Kooperation
- Man bringt wenig ein – und erwartet sich viel.
- Geringe Disziplin bei gemeinsamen Aktionen
3 große „Erfolgsbausteine“
1. Laufend die „Spielregeln“ verschärfen
Ständige Leistungssteigerung der Kooperation durch „Schraube andrehen“ – der Markt erfordert es. Kundennutzen steigern, Marktauftritt verbessern, Qualitätsstandards anheben, Finanzbeiträge erhöhen, Disziplin einfordern. Ständig tiefer werden.
2. „Point of no return“ herstellen
Als Kooperationsgruppe so gut werden, dass Mitglieder es sich nicht mehr leisten können auszutreten, weil der Schaden im Betrieb zu groß wäre.
3. Networking
Mit dem „alten Denken“ aufhören. Netzwerke und Wirtschaftspartnerschaften mit anderen Branchen aufbauen. Win-Win-Orientierung. „Vertrauen“ statt „Belauern“. Moderne Kommunikationstechnik einsetzen.
Die Kooperations-Chancen liegen nicht nur im gemeinsamen Marketing. Viele sind durch geschicktes Lobbying stark geworden. Andere durch den Einkauf regionaler Produkte – oder einfach durch offenen Erfahrungsaustausch.
Kooperation ist also keine Modeströmung sondern ein strategisches, betriebswirtschaftliches Kalkül. Dafür sind die meisten nicht trainiert – wir sind auf Kampf trainiert. Kooperieren muss daher gelernt werden und die Kooperation beginnt nicht beim anderen, sondern bei sich selbst.
Dr. Manfred Kohl
ist Geschäftsführer von Kohl & Partner mit Sitz in Villach
und betreut Unternehmenskooperationen. www.kohl.at


